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Der Wiener Walzer – im Dreivierteltakt durch den Raum

Wenn aus den Lautsprechern Johann Strauss Sohns „Auf der schönen blauen Donau“ erklingt und der Tanzlehrer ein lautes „Eins-Zwei-Drei, Eins-Zwei-Drei“ von sich gibt ist klar, was gerade in der Tanzschule vor sich geht: Der Wiener Walzer ist einmal mehr an der Reihe, er zählt zum absoluten Standardprogramm eines Tanzkurses. Aber wo kommt er eigentlich her, was macht ihn so einzigartig und zu welchen Anlässen wird er getanzt?

Geschichte

Der Begriff „Walzer“ geht auf den Ausdruck „sich walzen“, was so viel wie „sich drehen“ bedeutet, zurück. Seine Anfänge hat der Walzer in den mittelalterlichen Volks -und Bauerntänzen. Der Weg in die obere Gesellschaftsschicht war ihm äußerst mühselig, galt er doch als wilder, unzivilisierter Tanz und darüber hinaus aufgrund der unvermeidlich engen Haltung der beiden Partner als moralisch fraglich. Letztendlich konnten sich aber auch die oberen Schichten dem pulsierenden, temperamentvollem Rhythmus, der gerade den Wiener Walzer ausmacht, nicht entziehen. Einen Meilenstein in der Geschichte des Wiener Walzers stellt der Wiener Kongress 1814/15 dar, aus dem der bis heute veranstaltete Wiener Opernball hervorging. Hier wird jedes Jahr unter dem Motto „Alles Walzer“ die Tanzfläche gestürmt.

Kennzeichen

Der maßgebliche Unterschied zwischen dem Wiener Walzer und dem langsamen Walzer (englischer Walzer) bzw. dem französischen Walzer liegt, wie sich unschwer vermuten lässt, in seinem hohen, ja fast rasantem Tempo. Mit 180bpm (beats per minute = Taktschläge pro Minute) ist der Wiener Walzer der schnellste aller Standardtänze des Welttanzprogrammes (WTP). Das tanzende Paar wechselt dabei zwischen dem Wiegeschritt, der sich am besten als ein im Stehen durchgeführtes „Schunkeln“ beschreiben lässt und dem gedrehten Pendelschritt, bei dem sich das Paar in einem Winkel von etwa 160° pro Takt um sich selbst dreht. Weil letzterer schnell zu einem Schwindelgefühl führen kann dient der Wiegeschritt auch dazu, sich von den Anstrengungen des gedrehten Pendelschritts zu erholen. Wie lange das Paar in den jeweiligen Schritten verweilt ist ihm gänzlich selbst überlassen. Die für den Wiener Walzer typischen großen Schritte führen in Zusammenhang mit dem schnellen Tempo dazu, dass das Paar sich unter Umständen bereits nach kurzer Zeit „durch den Raum“ getanzt hat.

Verwendung

Zu öffentlichen Anlässen und Bällen ist es üblich den Wiener Walzer zur Eröffnung zu tanzen, so auch beim bereits angesprochenen Wiener Opernball. Aber auch auf Hochzeitsfeiern kommt das frisch getraute Paar meist nicht um den „Hochzeitswalzer“ herum. Wer also den Wiener Walzer noch nicht kann und eine möglicherweise peinliche Situation vermeiden will, sollte sich schleunigst zu einem grundlegenden Tanzkurs anmelden. Aber Vorsicht: Gerade auf hohen Schuhen kann der Wiener Walzer zur echten „Stolperfalle“ werden.